aus Hellweger Anzeiger: Montag, 27. September
2004
Die SPD
triumphiert über alle Trends
Rother schafft Wiederwahl bereits im
ersten Wahlgang
Von Sebastian Smulka
HOLZWICKEDE • Jenz Rother mit 59,5
Prozent wiedergewählt, die SPD Sieger in allen Wahlbezirken – die
Freude unter den Sozialdemokraten kannte gestern keine Grenzen.
Einen stärkeren Stimmungsumschwung als an diesem Abend hätte
sich wohl niemand aus dem SPD-Lager ernsthaft träumen lassen. Als
der erste Bezirk der Bürgermeisterwahl ausgezählt wurde – im
Feuerwehrhaus Opherdicke standen für Rother 64,6 Prozent zu Buche
– wollte das neue und alte Gemeindeoberhaupt die Begeisterung noch
bremsen. „Das ist kein Maßstab“, sagte er, und: „Die ersten
Pflaumen sind manchmal auch madig.“
Am Ende zeigte sich: Sie waren es nicht. Rothers absolute Mehrheit
hielt sich durch alle Wahlbezirke, und am Ende standen 59,5 Prozent auf
der Videoleinwand im Schulforum.
Seine Partei tat ihm gleich: Sie holte alle 16 Direktmandate und
insgesamt 40,9 Prozent. Damit steigerte sie sich gegenüber 1999 um
2,6 Prozentpunkte und vier Sitze.
Der SPD-Vorsitzende Michael Klimziak macht vor allem die Politik der
vergangenen fünf Jahre für den Erfolg verantwortlich. „Wir
haben vermittelt, was wir hier geleistet haben. Und für den
Wähler standen die Gemeindebelange am Ende klar im Vordergrund“,
sagte er. Dass die SPD die Bundestrends so einfach abschütteln
würde, darauf hätte er vor den ersten Ergebnissen selbst
nicht gewettet: Noch bei der Europawahl war die SPD in 13 der 16
Stimmbezirke nur zweite Kraft. „Als ich da im Rathaus gesessen habe,
wich mir alle Farbe aus dem Gesicht“, blickt er zurück. Doch
gestern Abend strahlte der SPD-Chef über beide Ohren.
Bei der CDU herrschte dagegen Katerstimmung. Der Vorsitzende Frank
Lausmann wertete den Wahlabend als klaren Sieg für die SPD, machte
dafür auch die Zugkraft des Bürgermeisters verantwortlich.
Seine Partei sei dagegen in den Sog des Landestrends geraten, der der
CDU Einbußen auf breiter Ebene bereitet hat. In Holzwickede
verlor die Union 6,2 Prozent. Sie behielt jedoch ihre zehn Sitze im Rat.
Bei den kleineren Parteien überwog wiederum die Freude: Bis auf
die Junge Liste, deren Chef Thorsten Ringholt mit der Verteidigung von
zwei Mandaten „schon ganz zufrieden“ war, verzeichneten sie alle
Zuwächse: Die FDP und die Grünen bekommen ein drittes Mandat,
der Bürgerblock legte sogar um zwei Sitze auf sechs zu.
BBL-Chef Wilfried Brinkmann gab sich am Ende ebenfalls zufrieden. Zwar
sei er mit seinen Zielen, Jenz Rother in eine Stichwahl zu zwingen und
im Wahlbezirk „Dorfkrug“ den SPD-Mann Dr. Dresselhaus zu schlagen,
gescheitert. Doch der Bürgerblock hat zugelegt, und: im
Bürgermeister-Rennen hat er den CDU-Kandidaten Helmut Krause auf
den dritten Platz verwiesen.
Jenz Rother musste in seiner Euphorie nach Worten suchen. Er habe
„selbst nicht mit so einem Ergebnis gerechnet“, sagte er zunächst.
Und dann fand er die passenden Worte doch noch: „Das ist der nackte
Wahnsinn.“
|