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aus Hellweger Anzeiger: Dienstag, 28. September 2004

"Pragmatische Mehrheit" statt großer Koalition

SPD braucht vier fremde Stimmen – Rother lehnt festes Bündnis ab

                Von Sebastian Smulka

Holzwickede • Der Tag nach der Wahl verlief überraschend ruhig: Während bei Jenz Rother der Alltag einkehrte, stand die CDU noch unter Schock.

Für den Verwaltungschef war es ein Tag wie jeder andere. Lediglich seine Stimme sei etwas belegt, erklärte er kurz nach Dienstbeginn. Und das Telefon wollte nicht aufhören zu klingeln vor Gratulanten. Ansonsten schienen die Strapazen und Anspannungen des Wahlkampfes Jahre zurück zu liegen.
Viel werde sich nicht ändern, erklärte Rother. Er selbst werde weiterarbeiten wie in den vergangenen fünf Jahren, und die Zugewinne, die die SPD im Rat verzeichnen konnte, würden den politischen Stil auch nicht grundlegend ändern.
Die SPD braucht weiterhin vier Stimmen anderer Fraktionen, um Beschlüsse auf den Weg zu bringen. Eine feste Koalition will Rother auch diesmal nicht schließen. Stattdessen gelte es, jeweils „pragmatische Mehrheiten“ zu finden. „Damit bin ich in den vergangenen fünf Jahren gut gefahren.“
Setzt man jeweils die strikte Fraktionsdisziplin voraus, würden diese Mehrheiten am einfachsten mit der CDU (zehn Sitze) oder dem Bürgerblock (sechs Sitze) zu erreichen sein. Doch auch von dort scheint kein festes Koalitionsangebot zu kommen. Vor allem BBL-Chef Wilfried Brinkmann erklärte die Zugewinne seiner Partei damit, dass der Bürgerblock seine Aufgaben in der Opposition ernst genommen habe. Die CDU habe sich dagegen zu sehr ins Fahrwasser der SPD gehängt und müsse jetzt feststellen, „dass damit keine Meriten zu gewinnen sind“. Der Bürgerblock werde keine Total-Blockaden aufbauen, sich aber keinesfalls für fünf Jahre fest binden. „Für uns gilt das Prinzip: Der beste Vorschlag kommt zur Abstimmung – egal von wem er kommt.“
CDU-Chef Frank Lausmann will ebenfalls am Modell der vergangenen Jahre festhalten. Wie sich dies in der Praxis darstellen wird, sei zurzeit noch nicht abzusehen. „Jetzt müssen wir erst einmal einen Blick in die Programme werfen“, sagte Lausmann. „Zumindest bisher war es immer so, dass die beiden großen Parteien auch die größten Schnittmengen haben.“ Weiter wollte sich Lausmann über die Gemeinsamkeiten von CDU und SPD nicht auslassen. Nun gelte es vor allem, eine Fraktion zu formieren. Alles weitere komme danach an die Reihe.

Bildunterschrift unter einem Foto von Rolf Kersting und Jenz Rother:
Persönlich stimmt die Chemie zwischen dem Bürgermeister und dem bisherigen CDU-Fraktionschef Rolf Kersting, der sich am Wahlabend in die Schar der Gratulanten einreihte. Doch eine Koalition von SPD und CDU ist unwahrscheinlich.

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