aus Hellweger Anzeiger: Samstag, 10. September
2005
Vier Wochen
Gnadenfrist für die Caroline-Gebäude
Abbruchentscheidung
als letztes Mittel ist „nicht leicht gefallen“
Von Gabriele Hoffmann
Holzwickede
• Bauch gegen Kopf - Geschichte gegen Geld: Es war wohl
eine Kopfentscheidung, die die meisten Ratsvertreter die Hand für
den Abbruch der letzten Caroline-Gebäude heben ließ.
Bürgerblock, Junge Liste, die Grünen und Einzelkämpfer
Dietmar Hilburg (CDU) hatten am Donnerstagabend keine Chance, gegen die
Mehrheit von SPD, CDU und FDP die Weichen für den Erhalt der
Waschkaue, des Pförtnerhauses und des Laborgebäudes
richtungsweisend umzustellen.
Nur ein kleines Hintertürchen steht noch offen. Auf Vorschlag von
CDU-Fraktionsvorsitzendem Rolf Kersting wurde der Abbruchbeschluss um
eine Gnadenfrist von vier Wochen erweitert. Es soll einen neuen
Interessenten geben.
Der Abbruch wurde als letztes Mittel deklariert. Alle sprachen von
einer Entscheidung, die schweren Herzens getroffen wurde.
Bürgermeister Jenz Rother war zu Beginn der Ratsdebatte, die von
einem knappen Dutzend Bürgerinnen und Bürgern verfolgt wurde,
kurz auf die Vorgeschichte eingegangen. Veranstaltungszentrum,
Bauzentrum, schließlich Wohnbebauung, das waren Ideen und
Vorschläge für die Nutzung der Waschkaue. Aus finanziellen
oder baurechtlichen Gründen sind alle Pläne letztlich
gescheitert.
Rother bezifferte den finanziellen Einsatz der Gemeinde mit 22 800 Euro
für ein Gutachten,
10 000 Euro für
Vermarktungsbemühungen und mehreren 10000 Euro für die
Reinigung der Waschkaue.
Die Baustelle auf dem ehemaligen Zechengelände steht vor dem Ende.
Die Baufirma rückt Ende November ab, könnte bis dahin den
Abriss der Gebäude erledigen. Bei einem größeren
Zeitaufschub müsste eventuell später eine neue
Abbruchbaustelle eingerichtet werden - und das würde
zusätzliche Kosten verursachen.
Die vier Wochen sind also die letzte Gnadenfrist. Am Montag, so
kündigte Rother an, habe er ein Gespräch mit dem
Interessenten. Wenn in den nächsten Wochen nichts geschieht, ist
aus Rothers Sicht eine Rettung der Gebäude nicht möglich.
Rettung hieße, alle drei Gebäude möglichst im Ensemble
zu verkaufen, zumindest aber Waschkaue und Steigerhaus zusammen. Auf
einen Verkauf des Steigerhauses allein will sich der Bürgermeister
nicht einlassen. Die potenziellen Käufer, ein Holzwickeder
Ehepaar, saßen auf den Zuhörerstühlen.
Auch der Appell von CDU-Ratsmitglied Hilburg, wenigstens das
Steigerhaus zu erhalten, überzeugte nicht.
Aus dem Publikum kamen noch Vorschläge wie Einbau eines
Hallenbades in die Waschkaue oder die Halle den Vereinen in eigene
Regie zu übergeben, wie vielerorts im Sauerland praktiziert.
Keine neue
unendliche Suche
Für die CDU
war die Entscheidung für den Abbruch eine „Gratwanderung zwischen
wirtschaftlichen und ortshistorischen Gründen". Aus Sicht
von Rolf Kersting hat nicht die Gemeinde, sondern haben die
möglichen Investoren über Abriss oder Erhalt entschieden.
Die SPD will die letzte Gelegenheit abklopfen. Der Abbruch sollte dann
aber ohne neue Baustelle von der jetzigen Baufirma erledigt werden.
Die FDP möchte eine neue unendliche Investorensuche vermeiden.
Vergleiche mit Haus Dudenroth lehnt Fraktionschef Erich Stock ab und
ist überzeugt, dass viele Holzwickeder die Waschkaue gar nicht
kennen.
Man
reißt nur einmal ab
Der
Bürgerblock warnte davor, den gleichen Fehler wie bei Haus
Dudenroth zu machen. Für Heinrich Schlinkmann waren die
Bemühungen zeitlich nicht ausreichend. Er brachte das
genossenschaftliche Trägermodell ins Spiel. Die Zeche war
entscheidend für die Entwicklung Holzwickedes, die letzten
Zeitzeugen müssen erhalten bleiben.
Das sieht die Junge Liste genauso und schlägt vor, eine neue
Aufbruchstimmung abzuwarten, um dann doch einen Investor zu finden.
Auch die Grünen forderten, die Sponsorensuche fortzusetzen und
denken ebenfalls an einen Trägerverein. „Man reißt nur
einmal ab", appellierte Friedhelm Klemp vergeblich, wenigstens
Waschkaue und Steigerhaus zu erhalten.
Dietmar Hilburg wies noch einmal auf die fast 100-jährige
Geschichte der Zeche hin.
Bildunterschriften:
In vier Wochen sollen
hier die Bagger rollen. Es sei denn, es findet sich ein Investor oder
eine realistische Möglichkeit, das Gebäude der ehemaligen
Zeche zu nutzen.
Die Abrissbirne kreist über dem ehemaligen Laborgebäude, das
früher auch eine Waschkaue war.
Stephanie und Gerrit Hermes aus
Holzwickede möchten das Steigerhaus kaufen und ohne große
Veränderungen
so erhalten, erklärten sie in der Ratssitzung. Diese Chance
bestehe
nur, wenn auch die Waschkaue verkauft wird, betonte Jenz Rother gestern
erneut. Die junge Familie möchte das Haus selbst bewohnen und
hofft,
dass die Politik sich noch umentscheidet..
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