aus Hellweger Anzeiger: Freitag, 07. Oktober
2005
Neue Caroline
nicht ohne Brückenschlag
Unterschriftensammlung
ändert nichts an mehrheitlicher Ratsmeinung
Von Gabriele Hoffmann
Holzwickede
• „Solange die Brücke noch nicht steht, gebe ich die
Hoffnung nicht auf.“ Zunächst aber ist Friedrich Buse
enttäuscht und skeptisch über das Scheitern des
Bürgerbegehrens.
Am Mittwoch war die Auswertung der Unterschriftenlisten bekannt
geworden. 196 ungültige von insgesamt 1447 Eintragungen - damit
wurde, wie berichtet, die erforderliche Zahl der Unterschriften knapp
um 39 verfehlt. Friedrich Buse, einer der drei Initiatoren des
Bürgerbegehrens gegen die teure Brückenvariante 4, kann sich
noch nicht recht mit dem Ergebnis abfinden. Er bezweifelt, dass so
viele ungültige Eintragungen auf den Listen standen und
möchte diese einsehen. Dagegen hat Fachbereichsleiter Volker Risse
nichts einzuwenden („wir haben nichts zu verbergen“). Nur sollte zuerst
der Rat über das Ergebnis informiert sein.
Friedrich Buse hofft, dass einige Ratsmitglieder doch noch ihre Meinung
ändern und der Brückenbau über die Bahngleise verhindert
werden kann.
Dafür stehen die Chancen nach einer Blitzumfrage unserer Redaktion
bei den Partei- oder Fraktionschefs schlecht.
Für SPD, CDU und Bürgerblock ist der Beschluss bindend.
Für die Fraktionen gibt es keine Gründe, erneut über die
Brücke zu diskutieren.
SPD-Fraktionsvorsitzender Bodo Fehser weist darauf hin, dass es sich um
eine demokratische Mehrheitsentscheidung nach ausführlichen
Diskussionen handelt. „Der Beschluss ist nicht aus dem hohlen Bauch
heraus entstanden.“ Die teure Variante sei gewählt worden, weil
die Brücke Jahrzehnte Bestand haben soll. Fehser ärgert sich
vor allem über den Vorwurf „Steuergelderverschwendung“ und die
Unterstellung, die Listenauswertung im Rathaus sei nicht in Ordnung.
BBL-Parteichef Wilfried Brinkmann betonte, dass das Baugebiet - auch
als reines Wohngebiet - ohne Anbindung uninteressant sei. Seiner
Meinung nach haben ursprüngliche Pläne wie Ärztehaus
oder Gewerberiegel nie der Realität entsprochen.
Für CDU-Parteichef Frank Lausmann ist die Grundsatzentscheidung
bindend. Die Brücke - und damit die Landesförderung - sei
untrennbar mit dem Bebauungsplan verbunden und von Anfang an im
Gespräch gewesen. Er fragt, warum sich die Kritiker nicht viel
früher gemeldet haben.
Weil die tatsächlichen Kosten für die Brücke erst
später bekannt wurden, gibt Friedhelm Klemp die Antwort. Für
den Grünen-Fraktionschef hat die Brücke ohnehin keine
Berechtigung mehr, da sich die ursprünglichen Pläne deutlich
verändert hätten. Ein reines Wohngebiet sei auf der Caroline
übrig geblieben. Klemp befürchtet hohe Unterhaltungskosten
für die Brücke und hat schon die von ähnlichen Objekten
bekannten Vandalismusschäden vor Augen.
FDP-Parteichef Fritz Bernhardt wertet die Unterschriftenaktion als
Zeichen an die Politik, neu zu diskutieren. Auch er stellt die
veränderte Situation in dem Baugebiet heraus. Die
Verhältnismäßigkeit sei nicht mehr gegeben.
Bernd Busemann von der Jungen Liste hat wenig Hoffnung, dass sich die
großen Parteien noch umentscheiden - obwohl weit über 1000
Bürger gegen die Brücke sind. Busemann fragt sich allerdings,
aus welchem Topf die Folgekosten für die Brücke gezahlt
werden sollen.
Bildunterschrift
unter der Planskizze der Brücke:
Von diesen
Plänen für die Pylon-Brücke über die Bahngleise
rücken SPD, CDU und der Bürgerblock nicht ab. Die
Entscheidung soll nicht rückgängig gemacht werden.
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