aus Westfälische Rundschau: Donnerstag, 01.
September 2005
Nach fast 20
Jahren darf Birke nun fallen
Holzwickede. (peg)
Die alte Birke an der Breslauer Straße ist
fast 20 Meter hoch, kerngesund und standsicher. Für Liesl Bels
(Die Grünen), die den Baum am Mittwoch mit dem Umweltausschuss
besichtigte, ist sie gar "die schönste Birke, die ich je gesehen
habe". Trotzdem ist der Baum ungeliebt - seit fast 20 Jahren schon
kämpft der Besitzer darum, den Baum fällen zu dürfen.
Bis vor das Verwaltungsgericht war er schon gezogen und hatte es mit
seinem hartnäckigen Kampf gegen die örtliche
Baumschutzsatzung sogar in die Aktuelle Stunde des WDR geschafft.
Um es vorweg zu nehmen: Am Mittwoch hatte er endlich Erfolg. Mit 10
gegen 3 Stimmen stimmte der Umweltausschuss dafür, den
kerngesunden Baum rasieren zu lassen. Begründet wurde das mit
einer besondere Härte: Immerhin sei der Eigentümer schon 79
Jahre alt. Und Birken machen - das blieb unwidersprochen - viel Arbeit.
"Wegen des starken Laubanfalls muss ich dreimal im Jahr die Dachrinnen
und Abflussrohre säubern lassen", sagte der Eigentümer im
Ausschuss. "Ich kann das in meinem Alter nicht mehr. Auch die Nachbarn
beschweren sich schon."
Beim Ortstermin hatte der Anwalt des Antragstellers noch allein mit der
Standsicherheit argumentiert. Ein Gutachter sowie Fachfrau Ulrike
Hohendorff aus der Verwaltung hatten sich jedoch zuvor für die
einwandfreie Statik verbürgt.
"Wenn wir jedes Mal einknicken, weil ein Baum bei Sturm umfallen
könnte oder seinem Besitzer Mehrarbeit macht, brauchen wir gar
keine Baumschutzsatzung mehr", meinte Manfred Matysik (SPD). Das
dämmerte auch dem übrigen Ausschuss. Prompt kündigte
CDU-Sprecher Dietmar Hilburg für seine Fraktion an, einen Antrag
zur Änderung der Baumschutzsatzung stellen zu wollen. "Es kann ja
nicht sein, dass wir uns in jeder Sitzung aufs Neue mit einem
Fällantrag beschäftigen müssen."
Bildunterschrift:
Der Umweltausschuss beim Ortstermin an der Birke in der Breslauer
Straße.
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