aus Hellweger Anzeiger: Freitag, 19. Februar 2010
CDU hängt Mensa in die Warteschleife
Mit einem
Stopp bei Bauinvestitionen die Wende einleiten
Von
Gabriele Hoffmann
HOLZWICKEDE • Die
CDU läutet die Wende vom Gestalten zum Erhalten ein. Um den
Nothaushalt zu vermeiden, will die Partei drastische
Sparmaßnahmen. Das Defizit von 6,4 Millionen Euro muss bis 2014
ausgeglichen sein. Das zu schaffen, ist die CDU zuversichtlich.
Die Alternative dazu wäre die absolute Handlungsunfähigkeit.
Das Leben in der Gemeinde wäre praktisch gelähmt. Der
eingesetzte Sparkommissar würde auch vor den freiwilligen
Leistungen nicht Halt machen. Und gerade an diesem Punkt lassen die
Christdemokraten nicht mit sich reden. Die Zuschüsse an die
Vereine ebenso wie die Stelle für die Sozialarbeit an den
Grundschulen, die Bücherei und die Grundstückspolitik
für Bredde, Neue Caroline und langfristig das Kasernengelände
sind unantastbar. Ansonsten ist die CDU nicht zimperlich beim Einsatz
des Rotstiftes.
Der Bau der Mensa bleibt auf der Wunschliste, die Realisierung
erscheint jedoch in den nächsten zwei Jahren entbehrlich.
Fraktionsvorsitzender Rolf Kersting sieht im Moment keinen Engpass und
möchte den Schulentwicklungsplan abwarten. „Die Baupläne
liegen vor“, sagte er gestern bei der Präsentation der
Klausurergebnisse. Bei Bedarf könne jederzeit ohne großen
Vorlauf mit dem Erweiterungsbau begonnen werden. Außerdem sollten
auch Fördermittel des Landes geprüft werden. Parteichef Frank
Lausmann bekräftigte das „Ja“ zur Mensa, wies aber darauf hin,
dass das vorhandene Angebot nicht so stark genutzt werde wie
ursprünglich erwartet.
Dass auch die CDU den Durchstich Stehfenstraße und den Bau der
Park & Ride-Anlage auf Eis legt, war zu erwarten. Der auf 1,9
Millionen Euro gestiegene Eigenanteil ist auch für die CDU nicht
mehr tragbar. In der Zwischenzeit sollte aber erneut mit der Bahn
über eine Gleisstilllegung verhandelt und geklärt werden, wie
lange die Fördergelder festgeschrieben sind. Grundsätzlich
hält die CDU den Durchstich für unbedingt notwendig.
Den Ausbau der Montanhydraulikstraße möchte die CDU bis zum
Bau der Ostumgehung aus dem Finanzplan streichen. Für die
Umgestaltung der Unterführung ist ebenso wenig Geld vorhanden wie
für die Rathauserweiterung. Den Verwaltungsvorschlägen, die
Anschaffung eines neuen Löschfahrzeugs und Kanalsanierungen zu
verschieben und wegfallende Stellen in der Verwaltung nicht wieder zu
besetzen, stimmt die CDU zu. Ebenso der Erhöhung der Hundesteuer
um einen Euro und dem verstärkten Einsatz der Politessen beim
Knöllchenschreiben. Hier hat die CDU den Norden und die
Flughafenparker im Blick, nicht den ruhenden Verkehr in der Ortsmitte.
Weitere vom Kämmerer vorgeschlagene Einsparungen, zum Beispiel
beim Verwaltungsaufwand, können die Christdemokraten nur
unterstützen. Den Plan, die Rettungswache aufzugeben, wollen sie
zumindest einer Prüfung unterziehen.
Bildunterschrift
unter einem Foto von Schülern beim Essen: Der Speisesaal der
Hauptschule reicht zurzeit für den Mittagstisch aus. Die CDU
möchte den Erweiterungsbau zurückstellen und die Entwicklung
der Schülerzahlen abwarten. Dafür nennt sie einen Zeitraum
von zwei Jahren.
Einsparungen und Einnahmen
Beispiele Einsparungen:
Mensabau (859 300 € ), Durchstich (1911000 € ), Anschaffung
Löschfahrzeug (370000 €), Umgestaltung Freibadhaus (500000 €),
Ampelanlagen mit akustischen Signalen (45000 €), Stellen nicht
wiederbesetzen (634000 €), Strom- und Heizkosten (166000 €),
Telekommunikationskosten in der Verwaltung (ca 23000 €)
Beispiele Ausgaben:
Zuschüsse an die Vereine (ca 80000 €), Förderung der
Heimatstube (6000 €), Schotterweg an der Schwerter
Straße/Schulwegsicherung (24000 €), neues Alarmsystem für
die Feuerwehr (36000 €)
Beispiele Einnahmen:
Kostenpflichtige Einsätze der Feuerwehr (10000 €), Erhöhung
der Hundesteuer (13000 €), Bußgelder für Falschparker (5000
€), Anhebung der Standgebühren beim Weihnachtsmarkt für
kommerzielle Händler, Gebühren für externe Nutzer des
Forums, maßvolle Anpassung der Gebühren der Bibliothek
Keine
Festlegung bei Energiekooperationen
Ein Gebot der
Wirtschaftlichkeit ist für die CDU die Zusammenarbeit mit
Nachbarkommunen, wie sie in einigen Bereichen schon praktiziert wird.
Der Zusammenschluss mit anderen Energieversorgern ist für die CDU
schon wegen der noch bestehenden Konzessionsverträgen kein Thema
mit Priorität. Noch ist die Fraktion nach allen Seiten offen, will
sich nicht festlegen. Als klares Ziel für die Zukunft nannte Rolf
Kersting gestern den Preiserhalt bzw. die Verbilligung der
Verbrauchspreise und den Erhalt der Flexibilität bei den
Dienstleistungen. In diese Richtung soll die Verwaltung
Sondierungsgespräche führen. Bei den Bädern hat
Holzwickede im Gegensatz zu Unna keine Not. Die CDU bleibt auch hier
ganz gelassen.
Deutliche Position bezieht die Fraktion allerdings zu den
Sanierungsplänen für das Haupthaus der Schönen
Flöte. Diese stehen bis 2012 mit rund 500000 Euro im
Wirtschaftsplan der Wasserversorgung. Klare Ansage: „Jegliche
Investition in das Haupthaus, insbesondere für die vermieteten
Räume, wird für die Zeit der Haushaltssicherung gestrichen.“
Akzeptiert werden lediglich notwendige Unterhaltungsarbeiten des
Vermieters. •ho-
Bildunterschrift unter einem Foto vom
Eingang "Schöne Flöte": Die CDU lehnt Investitionen für
die Umgestltung des Haupthauses der Schönen Flöte bis 2014
ab. Das Defizit könnte so um eine halbe Million Euro reduziert
werden.
Kommentar
Nicht kleckern,
sondern klotzen – ein Motto, das sich genussfreudige und
großzügige Zeitgenossen gerne zu eigen machen.
Für die
Holzwickeder CDU ist es die kurze Formel für ihren eisernen
Sparwillen. Wo nichts mehr reinkommt, kann auch nichts mehr ausgegeben
werden. Die Christdemokraten verordnen der Gemeinde eine harte
Investitionsbremse. Tunnel, Durchstich, Straßenbau, Sanierung des
Freibadgebäudes – alles wird auf Eis gelegt, bis die
Haushaltssicherung zum Erfolg geführt hat. Sogar die Mensa wird in
die Warteschleife verschoben. Das ist mutig und ehrlich zugleich.
Beim Thema
Rettungswache packt die CDU sogar ein ganz heißes Eisen an. Hier
geht es um das Sicherheitsempfinden der Bürgerinnen und
Bürger. Und das ist sehr sensibel.
Nicht mit sich
reden lässt die CDU allerdings über die Sozialarbeit an den
Grundschulen, die Privatisierung der Bücherei und die
Zuschüsse an Vereine. Letztere sind die Kulturträger in
Holzwickede. Und ein bisschen Lebensfreude soll schließlich auch
eine Gemeinde noch haben, die den Atem des Sparkommissars schon im
Nacken spürt. • Gabriele Hoffmann
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